{"id":56,"date":"2006-11-27T18:00:12","date_gmt":"2006-11-27T16:00:12","guid":{"rendered":"http:\/\/ruebchen.viscom.co.at\/auch1\/?p=56"},"modified":"2006-12-20T04:52:58","modified_gmt":"2006-12-20T02:52:58","slug":"untauglich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.auch1.net\/?p=56","title":{"rendered":"UNTAUGLICH"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Sie sind f\u00fcr den Heeresdienst nicht mehr geeignet.&#8221;<\/p>\n<p>dazu muss ich ausholen.<\/p>\n<p>es begub sich im jahre 93 des letzten jahrtausends, da musste ein junger buckel, wie es in diesem lande von gesetzeswegen so \u00fcblich ist etwas zutiefst unangenehmes tun. er musste sich &#8216;mustern&#8217; lassen,  sich einer sogenannten &#8216;stellung&#8217; unterziehen.<\/p>\n<p>damals achtzehnj\u00e4hrig und voller antimilitaristischer gewissheit, damals langhaar- und pal\u00e4stinensertuchtr\u00e4ger, damals blau\u00e4ugig wie die nacht dunkel stolperte er von einer situation in die n\u00e4chste, und erlag so mancher tradierter FUD (FearUncertaintyDoubt) taktik, bauernbubenhaftigem chauvinismus und vor allem eines: ekel.<\/p>\n<p>der buckel wurde wie in seinem heimatort traditon mit einer gruppe mit-achtzehnj\u00e4hriger vom b\u00fcrgermeister h\u00f6chstpers\u00f6nlich in die ausgewachsene m\u00e4nnlichkeit geschleppt, oder richtiger: mit einem auf gemeindekosten gemieteten bus richtung sankt pl\u00f6ten gekarrt, im unangenehmen vorgeschmack von kamerrrradschaft, vaterrrrlandsverpflichtunk und adoleszenz, in richtung milit\u00e4rrrrkommando, errrg\u00e4nzungsabteilung, stellunkskommission.<\/p>\n<p>f\u00fcr all jene, die entweder frau sind, und so etwas nicht erleben mussten, oder es trotz des mannseins lange schon verdr\u00e4ngt haben, f\u00fcr all jene, die es noch vor sich haben, hier eine verk\u00fcrzte  beschreibung  einer solchen prozedur.<\/p>\n<p>mann kommt zu meist eher nachtschlafender stunde am stellungsort an, und findet sich in einer militant-kargen warter\u00e4umlichkeit wieder. wo man auf ROTEN (zur farbgebung sp\u00e4ter mehr) sesseln platz nimmt und gleich einmal das kennenlernt, woraus das ganze zu 87,9% besteht: warten. haben sich die roten sessel dann langsam aber stetig gef\u00fcllt (andere ortschaften haben schliesslich auch b\u00fcrgermeister und blaguss-pauschal-vertr\u00e4ge), wird man von einer heeresperson (keine titel und dienstgrade bittesch\u00f6n, das verwirrt die armen zivilistenhascherln doch nur unn\u00f6tig) begr\u00fcsst und grob \u00fcber den weiteren ablauf unterrichtet.<\/p>\n<p>erstmal wird man zur nummer, obwohl die instruktionsperson darauf hinweist, dass dem nur aus praktischen, administrativen gr\u00fcnden so ist, und bittesch\u00f6n ganz und gar keine herabw\u00fcrdigung eventuell vorhandener pers\u00f6nlichkeitsrechte darstellen soll. (dass das nebenbei doch geschieht kann man ja grosszuegigerweise dulden, dem zeit- und effizienzgewinne zuliebe, kostet ja teuer steuergeld.)<\/p>\n<p>daraufhin begibt man in den ersten stock, zur sogenannten bekleidungskammer, und fasst dort eine einheit der sogenannten <span style=\"font-style: italic\">sportadjustierung<\/span> aus, die da in ihrer vollst\u00e4ndigen grossartigkeit besteht aus: einer boxershort, gr\u00fcn, in einer unm\u00f6glich f\u00fcr alle einheiten passenden einheitsgr\u00f6sse. zwo st\u00fcck badeschlapfen, die zusammen ein paar bilden, gehalten in blau. als oberteil darf man unterhemd oder t-shirt aus privatem zivilbesitz anbehalten. in diese bekleidung schl\u00fcpft man, und tut seine zivilkleidung in einen spind, der abschliessbar ist, dessen schl\u00fcssel man sich kommod ums handgelenk binden kann. j\u00f6, da ist ja auch die nummer drauf, falls man sie inzwischen vergessen hat. nicht verlieren meine herren, das kostet teuer steuergeld, muss man im verlustfalle komplett austauschen, da muss ein schlosser kommen, das ist ein rie-sen-auf-wand undsoweiterundsofort.<\/p>\n<p>nun zu den ROTEN sesseln und warten. anstellen in einer reihe fuers lungenr\u00f6ntgen. da kriegt man dann vom jeweiligen vorg\u00e4nger einen kleidsamen bleischurz gereicht, den man sich zum schutze der fortpflanzungsf\u00e4higkeit um die lenden legt. die kinnauflage des r\u00f6ntgenger\u00e4tes wird nach jedem kanditaten mit alkohol ges\u00e4ubert, soviel hygiene muss sein. (die brustauflage nicht. ach was. egal.) das bildchen kommt ins kuvert, die nummer drauf, und weiter gehts.<br \/>\nwieder zur\u00fcck auf die ROTEN sessel. vor der blutabnahme kann man ja etwas &#8211; genau: warten.  darum, nebenbeibemerkt, dauert so eine musterung in ihrer sch\u00f6nen l\u00e4nglichkeit auch ganze anderthalb tage. mit \u00fcbernachtung im stockbettchen, falls bedarf besteht.<\/p>\n<p>blut wird von medizinisch ausgebildetem personal abgenommen, ein paar wehrm\u00e4nner dienen als blutwache. blutwache h\u00f6rt sich tendentiell gewaltt\u00e4tig an, ist es aber nicht unbedingt. die herren blutwachenden wachen einfach dar\u00fcber, dass man als stellungspflichtiger nicht aufgrund von blut-sehen oder blut-mangel umkippt, bewusstlos wird, sich weh tut. (gar f\u00fcrderhin in seiner tauglichkeit eingeschr\u00e4nkt wird) sollte ein solcher fall eintreten &#8211; also so ein kreislaufender &#8211; wird laut und deutlich &#8220;BLUTWACHE&#8221; gerufen, und der schwache junge herr auf einen kreislaufbelebenden kaffee eingeladen. je nach h\u00e4rte eines vorliegenden falles darf auch kurz gelegen werden, mit dem kreislauf spasst man nicht. danach: warten.<\/p>\n<p>ob das alles angstschweiss ist, was man auf den ROTEN sesselchen so riecht, sei dahingestellt. kann ja mal vorkommen.<\/p>\n<p>es folgt &#8211; nach etwas warten &#8211; der sogenannte psychologische eignungstest. heute am computer, fr\u00fcher auf papier darf man hier seine kombinatorischen &#8211; und 3D-raumwahrnehmungs- f\u00e4higkeiten unter beweis stellen. das wort &#8216;computer&#8217; verunsichert Sie, Sie haben noch keine diesbez\u00fcgliche erfahrung? kein problem, sie bekommen nat\u00fcrlich eine halbst\u00fcndige einschulung, wie Sie genau mit der erheblichen anzahl (vier st\u00fcck) und farblich gekennzeichneten druckkn\u00f6pfen umgehen m\u00fcssen &#8230;<\/p>\n<p>den test kennt man zum teil schon aus diversen aufnahmetests bei weiterf\u00fchrenden h\u00f6heren schulen, oder eben auch nicht, je nach werdegang. die schwierigkeit dieses teils des tests ist zum teil ungeheuerlich, und l\u00e4sst schl\u00fcsse zu, in welcher art und weise der stellungspflichtige beim heeresdienst eingesetzt werden kann. wenn man also erkennt, dass nach eeiiiinem kleinen gr\u00fcnen quadrat, und noch zweiiiii kleinen gr\u00fcnen quadraten richtigerweise &#8230;&#8230;.. dreiiii gr\u00fcne quadrate folgen (h\u00e4tten Sies gewusst?) stehen einem alle wege zur erfolgreichen milit\u00e4rischen Karriere offen. da bin ich mir ganz sicher!<\/p>\n<p>der interessantere teil des tests umfasst subtil gestellte fragen, die aufschluss \u00fcber die psychische verfassung des jungmannes geben sollen. subtil auch die m\u00f6glichkeit, die gemachten antworten jederzeit zu revidieren. man kann ja seine meinung \u00e4ndern. so braucht es tats\u00e4chlich mindestens drei best\u00e4tigungen, bis man WIRKLICH, WIRKLICH, WIRKLICH, ganz und gar SICHER IST, dass man SCHON MAL AN SELBSTMORD GEDACHT zu haben, und ganz, ganz, GANZ klar der meinung ist, \u00f6fters mal PROBLEME MIT DEN ELTERN ODER VORGESETZTEN zu haben. HERRGOTT JA VERDAMMT DU BL\u00d6DES TEIL SO SICHER WAR ICH MIR NOCH NIE!!!<\/p>\n<p>daraufhin kann es heutzutage recht schnell gehen, und man spart sich sehr viel zeit. wirklich viel zeit. tats\u00e4chlich, wirklich, echt, ehrlich viel zeit. die computer scheinen, WENN MAN SICH WIRKLICH SICHER WAR umgehend eine meldung auszuschicken, dass der betroffene einer genaueren untersuchung zu unterziehen ist, und man wird vom betreuenden informationsoffizier\/computerkundigen zum einzelgespraech mit einem psych-ologen\/iater gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>nach dem warten ist es gut, ein attest parat zu haben. nein, es ist wichtig ein attest parat zu haben. genauer gesagt ist es absolut unumg\u00e4nglich ein attest zu haben, das die zuvor gemachten angaben best\u00e4tigt, und sicher nicht schlecht ist es, eine familiengeschichte vorweisen zu k\u00f6nnen, die die zuvor gemachten angaben best\u00e4tigt, und sicher nicht schlecht ist es auch, sich darob in entsprechender behandlung zu befinden, und ganz und gar \u00fcberhaupt nicht schlecht ist es, wenn im attest drinnen steht, dass man schweren, unkorrigierbaren schaden nimmt, wenn man am heeresdienst teilnimmt.<\/p>\n<p>dann meine lieben, kommt ihr auf die GR\u00dcNEN sessel, das sind nicht nur rein farb-akzentuoes die guten. denn von denen weg n\u00e4mlich gehts vor allem eins: raus hier, weg hier, zur\u00fcck ins zivilleben.<\/p>\n<p>ABER NEIN! so schnell <strike>schiessen die preussen nicht<\/strike> administrieren die bundesheere nicht &#8230;. erst mal warten &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Sie sind f\u00fcr den Heeresdienst nicht mehr geeignet.&#8221; dazu muss ich ausholen. es begub sich im jahre 93 des letzten jahrtausends, da musste ein junger buckel, wie es in diesem lande von gesetzeswegen so \u00fcblich ist etwas zutiefst unangenehmes tun. er musste sich &#8216;mustern&#8217; lassen, sich einer sogenannten &#8216;stellung&#8217; unterziehen. damals achtzehnj\u00e4hrig und voller antimilitaristischer [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[3,6,1,10],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.auch1.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/56"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.auch1.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.auch1.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.auch1.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.auch1.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=56"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.auch1.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/56\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.auch1.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=56"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.auch1.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=56"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.auch1.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=56"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}